08.10.2025 Haus Leinz - Bau- & Familiengeschichte eines Haues
Beginn um 18 Uhr. Ort: ZEL, Kaiserstr. 36, Heidelberg

Anlässlich der Jubiläumsfeier des "Zentrum für Entwicklung und Lernen" (ZEL), dem Hauptmieter der Immobilie, durften wir einen Vortrag über die Baugeschichte des Hauses Kaiserstraße 36 in Heidelberg halten.

Die Baugeschichte ist zugleich auch eine Familiengeschichte. Sie beginnt 1929 mit der Familie des Schreiners Rudolf Leinz bzw. mit seiner Entscheidung, ein Neorenaissance-Mietshaus samt noch unbebauten großem Grundstück und Garten im Stadtteil Weststadt zu kaufen. Dort errichtete er 1930 ein Rückgebäude im Stil der "neuen Sachlichkeit", als Werkstatt mit darüberliegender Wohnung für sich und seine vierköpfige Familie. Die Schreinerei Leinz führte damals den gesamten Innenausbau der Neuen Universität und des heutigen MPI aus.

Nach dem 2. Weltkrieg führte sein Sohn, der Stadtrat Hans Leinz, die Schreinerei fort. Für die Erweiterung der Betriebsstätte beauftragte er 1948 den Architekten Rudolf Steinbach, der im Brückentor wohnte und den Wiederaufbau der von der Wehrmacht zerstörten Alten Brücke leitete. Bald darauf wurde er Professor für Baukonstruktionslehre an der RWTH Aachen. Hans Leinz hat sich im Stadtrat leidenschaftlich für den Wiederaufbau der Alten Brücke eingesetzt.

Die letzte entscheidende Phase des Gebäudes begann 2010, als es entkernt, ein Treppenhaus eingebaut und mit zwei Geschossen aufgestockt wurde. Ohne denkmalpflegerische Auflage wurde das modernistische Gebäude behutsam "zu Ende gebaut". Das neue Vollgeschoss ist ein Klon der Belle Étage im 1. Obergeschoss. Viele historische Bauteile, wie Handläufe, Türen und Holzvertäfelungen konnten wiederverwendet werden. Die Gewerberäume, die ehemalige Schreinerei im Souterrain und Hochparterre, wurden nicht verkleidet, sondern präsentieren sich heute wieder in ihrem ursprünglichen rohen Charme einer Werkstatt.

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